
Als ich mich für das U30-Camp angemeldet habe, waren da viele unterschiedliche Gefühle in mir. Da war Freude und Hoffnung auf eine besondere Erfahrung, gleichzeitig aber auch viel Respekt und eine gewisse Zurückhaltung. Für mich war die Anmeldung ein großer persönlicher Schritt, denn die Vorstellung, auf so viele Menschen zu treffen, die – genau wie ich – mit Multipler Sklerose leben, war gleichermaßen spannend wie herausfordernd.
Als ich schließlich ankam, war ich vor allem aufgeregt und neugierig. Doch wie sich schnell herausstellte, ging es vielen ähnlich. Schon nach kurzer Zeit kam ich mit den anderen ins Gespräch, und es war sofort spürbar, dass uns etwas verbindet: die Diagnose Multiple Sklerose. Genau diese gemeinsame Erfahrung schuf einen besonderen Raum – einen Ort, an dem man sich verstanden fühlt und vor allem einfach normal sein kann. Es gab keinen Erklärungsdruck, keine Scheu und keine Angst vor Fragen. Stattdessen war da Offenheit, Verständnis und ein ehrlicher Austausch auf Augenhöhe.
Das Camp war von Donnerstag bis Sonntag abwechslungsreich und sehr durchdacht gestaltet. Die Vormittage standen im Zeichen des Lernens und des Austauschs mit hoch qualifizierten Fachkräften. Wir hatten die Möglichkeit, mit MS-spezialisierten Expert:innen zu sprechen – darunter die Mitarbeitende der DMSG Hessen und der AMSEL, Neurolog:innen aus umliegenden Kliniken sowie Fachkräfte mit eigener MS-Erfahrung. Dieser Austausch war unglaublich wertvoll, weil er nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Mut gemacht hat.
An den Nachmittagen stand das gemeinsame Erleben im Vordergrund. Wir nutzten verschiedene Freizeitangebote, gingen im See schwimmen, erkundeten Konstanz, aßen Eis und fuhren mit dem Solarboot „Helios“ über den Bodensee. Besonders schön war, dass alles individuell auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt werden konnte. Wer Ruhe brauchte, konnte sie sich nehmen, und wer aktiv sein wollte, hatte zahlreiche Möglichkeiten.
Das größte Geschenk dieser vier Tage war für mich jedoch das Gefühl, nicht allein zu sein. Einen Ort zu erleben, an dem man sich gesehen, verstanden und angenommen fühlt, ist etwas ganz Besonderes. Der Austausch mit anderen Betroffenen, das Teilen von Erfahrungen und das gegenseitige Verständnis haben eine Verbindung geschaffen, die in dieser Form nur selten entsteht.
Als wir uns nach vier Tagen verabschieden mussten, lagen wir uns in den Armen. Was zu Beginn ein Treffen fremder Menschen war, fühlte sich am Ende wie der Abschied von einer kleinen Gemeinschaft an. Wir gingen mit einem lachenden und einem weinenden Auge – traurig, dass diese intensive Zeit vorbei war, aber dankbar für all die Begegnungen und Erfahrungen.
Das U30-Camp war für mich eine unglaublich wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Jede und jeder erlebt diese Tage auf eine ganz eigene Weise – und genau das macht dieses Camp so besonders. Es ist ein Ort, der verbindet, stärkt und zeigt: Niemand muss diesen Weg allein gehen.
Du möchtest beim nächsten U30-Camp dabei sein oder nähere Infos erhalten? Dann melde dich gern bei Monika Kruczek, Telefon 06151 6270 381, veranstaltungen@dmsg-hessen.de.















